Unser Konzept / Profil

In den 80er und 90er Jahren gab es einen Zuzug von tausenden neuen Bewohnern in den Kölner Vorort Rondorf. Die Ortsansässigen beklagten den Verlust des Dorfcharakters, die Neuen das Fehlen jeglichen öffentlichen Raumes in einem Ort mit immerhin 10.000 Einwohnern.

Der Verein - gegründet im Jahre 2002 nach dem Muster ähnlicher Vorbilder in Deutschland - hat sich den Ausbau der nachbarschaftlichen Beziehungen, der Kinderbetreuung und der Kinder- und Jugendarbeit vorgenommen.

Mit Hilfe und Unterstützung zunächst nur des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, dann der Stadt Köln, eines ortsansässigen Architekturbüros sowie der GAG gelang über die Jahre der Aufbau einer geeigneten Immobilie.

Unser Angebot in den Bereichen Begegnung, Betreuung, Bildung und Beratung gilt für alle Bürgerinnen und Bürger aus Rondorf, Hochkirchen und Höningen. Und besonders für die sozial Benachteiligten und Kinder und Jugendliche.

Wir glauben, durch unser Veranstaltungsprogramm und ein attraktives und vielseitig nutzbares Gebäude an einem günstigen Standort die soziale Infrastruktur in Rondorf erheblich verbessern zu können.


Hier unser Konzept aus dem Jahre 2002:

Haus der Familie e.V. Rondorf, den 06.07.2002

Konzeption für ein Familienzentrum

Einleitung

Die Konzeption eines Familienzentrums muss der veränderten familiären Situation in der heutigen Zeit Rechnung tragen. Ein Familienzentrum hat darum die Aufgabe, Familien durch Begegnungs-, Betreuungs-, Bildungs- und Beratungsangebote zu entlasten und Erziehungskompetenz sowie Erziehungskraft der Eltern zu stärken. Die angebotene Hilfe soll in erster Linie in Form der Selbsthilfe geleistet werden.
Väter, Mütter und andere Erziehungsberechtigte haben ein Recht auf Unterstützung bei der Erziehung. Kinder und Jugendliche haben das Recht auf Hilfe in ihrer Persönlichkeitsentwicklung und –entfaltung. Das schließt konkrete Angebote sowie die Verbesserung ihrer allgemeinen Lebensbedingungen mit ein.
Junge Menschen sollen die Gelegenheit bekommen, sich in diesem Zentrum auf ein Leben in Gemeinschaft vorzubereiten. Denn die Situation heutiger Familien wird nicht mehr durch die älteren Generationen mitbestimmt und mitgetragen. Deshalb tut es den Familien der heutigen Zeit gut, sich mit anderen Familien und älteren Mitbürgern auszutauschen und auch professionelle Hilfe in Anspruch nehmen zu können.
Die Träger dieser Art von Familienbildung sind die Mütter und Väter selbst. Sie sind durch Ihre Erfahrungen im Familienalltag in der Lage, andere Familien mit Rat und Tat zu unterstützen.
Das Familienzentrum des Vereins »Haus der Familie« ist als offene Begegnungsstätte für Kinder, Jugendliche, Familien, für junge und alte, behinderte und nicht behinderte Menschen konzipiert.

1. Zur Situation in Rondorf (Hochkirchen und Höningen)

Rondorf, der Ort in dem der Verein "Haus der Familie e.V." zu Hause ist und sich engagieren will, ist ein Stadtteil Kölns ohne angemessene soziale und wirtschaftliche Infrastruktur. Sowohl zum Arbeiten, als auch zur Freizeitgestaltung verlassen die BürgerInnen den Ort. Auch zum Einkaufen, für Arztbesuche oder Ämtergänge müssen die Bewohner diesen dennoch großen Vorort verlassen. Viele Kindergartenkinder müssen in anderen Stadtteilen versorgt werden. Für die Jugendlichen gibt es am Ort keine weiterführenden Schulen.
In Rondorf leben heute ca. 10.000 Menschen. Die Einwohnerzahl hat sich in den letzten 10 Jahren verdoppelt. Weitere Siedlungsprojekte speziell für Familien sind geplant. Die Versorgungssituation der Familien und besonders der mehr als 2.000 Kinder und Jugendlichen (demnach über 20% der Gesamtbevölkerung, gegenüber 16,4% in ganz Köln) bedarf dringend einer positiven Veränderung. Ungefähr 1.000 Kinder sind im Alter zwischen 6 und 14 Jahren. Für sie stehen lediglich 24 Hortplätze und 80 Plätze zur Übermittagsbetreuung zur Verfügung.
Besonders stark ist in Rondorf die Gruppe der 8 – 12jährigen. Ihre Freizeitgestaltung und Versorgung bedarf erhöhtem Interesse.

2. Ziele des Vereins »Haus der Familie«

Der Verein »Haus der Familie« will den Sozialraum Rondorf positiv verändern. Er will zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Rondorfer BürgerInnen beitragen, sowie eine kinder- und familienfreundliche Umwelt erhalten bzw. schaffen.

Dies geschieht durch:
2.1 Selbsthilfe
2.2 Prävention
2.3 Gemeinwesenorientierung
2.4 Stärkung der Familie
2.5 Integration
2.6 Bürgernähe
2.7 Vernetzung der Angebote
2.8 Familienpolitische Arbeit

2.1. Selbsthilfe
Ein Grundprinzip des Vereins »Haus der Familie« ist die Selbsthilfe. Das Haus der Familie unterstützt Rondorfer BürgerInnen in ihrem Bemühen, einander eigene Lösungskompetenzen und Lösungsideen anzubieten und miteinander umzusetzen.

Die eigenen Ressourcen werden so erkannt und gefördert. Hilfe wird unter gleichberechtigten Partnern geleistet. Auf diesem Weg entsteht eine Börse für gegenseitige Unterstützungs- und Hilfsangebote.

2.2. Prävention

Der Verein »Haus der Familie« fördert die Entstehung eines sozialen Netzwerkes in Rondorf. Dadurch wird der Entstehung von Problemen wie soziale Isolation, Jugendgefährdung und allgemeinen Überforderungssituationen in Familien entgegengewirkt.

2.3. Gemeinwesenorientierung

Rondorfer BürgerInnen haben im Familienzentrum die Möglichkeit, an der weiteren Gestaltung Rondorfs (soziale und strukturelle Veränderungen) mitzuarbeiten. Sie können so ein stärkeres Problembewusstsein für die soziale Lage Rondorfs entwickeln. Selbstverantwortung und Selbstständigkeit sind das Potential, mit dem Rondorf durch Selbst- und Nachbarschaftshilfe an Lebensqualität gewinnt.

2.4. Stärkung der Familie

Der Verein »Haus der Familie« will Familien entlasten und bei der Erziehung ihrer Kinder unterstützen. Dies soll z.B. geschehen durch: Kinder- und Hausaufgabenbetreuung, Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche, Bildungs- und Beratungsangebote in Form von Kursabenden und Elterngruppen.
Das »Haus der Familie« möchte die Kernfamilie erweitern helfen durch Kontakte oder Freundschaften mit anderen Familien. Die Rondorfer Senioren sind als Großelterngeneration wertvolle Partner für Eltern, Kinder und Jugendliche.

2.5. Integration

Der Verein »Haus der Familie« möchte die verschiedenen Rondorfer Personengruppen zusammenführen. Dazu gehören u.a. Neu- und Altbürger, Menschen mit verschiedenem kulturellen Hintergrund und alle Familienformen und Familienmitglieder in Rondorf. Er lädt alle Rondorfer ein, Kontakte zu knüpfen, Erfahrungen auszutauschen und miteinander Feste zu feiern.

2.6. Bürgernähe
Das Familienzentrum soll eine niederschwellige, wohnortnahe, offene und dadurch leicht zugängliche Einrichtung sein. Jeder soll die Möglichkeit haben, das Haus zu besuchen, Kontakte zu knüpfen und seine Freizeit dort zu verbringen. Er/Sie soll auf einfachem Weg Hilfe empfangen oder leisten können, ohne bürokratische Hürden.

Bürgernähe soll auch erreicht werden durch einen leichten Zugang zu Informationen über den Verein »Haus der Familie«, so z.B. durch Aushänge und eigene Informationsmedien wie Internetseite, Veranstaltungskalender, Flyer und Informationsabende.

2.7. Vernetzung der Angebote

Der Verein »Haus der Familie« ist bemüht, Kontakte zu anderen Vereinen wie Sport-, Musik- und Karnevalsvereinen, zu freien Trägern wie den Kirchen und zu öffentlichen Trägern nach dem Sozialgesetzbuch aufzubauen, um sich für Rondorf zu vernetzen und über die jeweiligen Angebote auszutauschen. Es können gemeinsame Angebote entwickelt und initiiert werden, wodurch den BürgerInnen der Zugang zu den verschiedenen Einrichtungen erleichtert wird.
2.8. Familienpolitische Arbeit
Der Verein »Haus der Familie« will Lobbyarbeit leisten für Eltern, Familien, für Kinder und Jugendliche. Dies soll z.B. geschehen durch Diskussionsrunden und Pressearbeit, nach dem Prinzip "tue Gutes und rede darüber."
Das Familienzentrum versteht sich unter anderem auch als Forum für alle sozialen Fragen in Rondorf und unterstützt engagierte BürgerInnen, wenn sie familienpolitisch aktiv werden wollen.

3. Zielgruppen und Arbeitsweisen

Der Verein »Haus der Familie« existiert in erster Linie durch und für Rondorfer BürgerInnen, die mitmachen wollen. Dem Gedanken der Selbsthilfe folgend sollen Angebote von und für die verschiedenen Bedarfsgruppen entwickelt werden. Als Hauptbedarfsgruppen erscheinen dem Verein z.Zt. Familien, Alleinerziehende, Schulkinder und Jugendliche. Darüber hinaus ist auch Bedarf bekannt bei Schwangeren, Säuglingen, Kleinkindern, Kindergartenkindern, Vätern und Senioren. Die Nachfrage bestimmt das Angebot und dieses wird sich immer wieder verändern.
Für alle Bedarfsgruppen sind Angebote notwendig und möglich, wie:
- Offenes Café / Treffpunkt
- Kontaktkreise
- Kinderbetreuung
- Beratungsangebote
- Bildungsangebote
- Vermittlungsbörsen (z.B. Babysitterdienst)
- Diskussionsforen

Abhängig von den Bedürfnissen und eigenen Fähigkeiten der Nutzer, die gleichzeitig auch Anbieter sein können, soll das Familienzentrum sein Profil entwickeln. Das entsprechende Angebot lautet: "Gib etwas und bekomm' viel." Talente werden gefördert und zum Tausch geboten.

4. Die Bedeutung des Familienzentrums

4.1. Für Kinder

Kinder begegnen im Familienzentrum Gleichaltrigen, um mit ihnen zu spielen, gemeinsame Erfahrungen zu machen und so die Kernfamilie zu erweitern.
Im Säuglingsalter haben Kinder einen Sekundärgewinn, wenn ihre Eltern sich im Familienzentrum wohl fühlen und sich auch mal andere Menschen um sie kümmern können.
Kleinkinder haben die Möglichkeit, sich auf den Kindergarten vorzubereiten und werden langsam an das System der Fremdbetreuung gewöhnt.
Kindergartenkinder erfahren im Familienzentrum ebenfalls eine Erweiterung der Familie, indem ihre Eltern Freizeitangebote des Familienzentrums mit ihnen gemeinsam nutzen.
Auch spezielle Förderungsmöglichkeiten können im Familienzentrum in Selbsthilfe organisiert werden.
Schulkindern ermöglicht die Übermittagsbetreuung die Erfahrung, mit anderen Kindern nach der Schule zu spielen und zusammen zu sein. Spezielle altersgemäße Freizeitaktivitäten helfen ihnen, sich außerhalb der Familie zu selbstbestimmten und verantwortlichen jungen Menschen zu entwickeln.

4.2. Für Jugendliche

Das Familienzentrum achtet die Individualität der Jugendlichen, fördert ihre Eigenaktivität und respektiert ihre Selbstbestimmtheit. Es will ältere Kinder und Jugendliche einbeziehen in die Gestaltung ihrer konkreten Lebensumwelt. Sie sollen die Möglichkeit haben, Initiative zu entwickeln und man traut ihnen Mündigkeit zu.
Gerade Jugendliche werden in Rondorf in den nächsten zwei Jahren zu einer großen Gruppe heranwachsen, die in ihren Rechten und Ansprüchen beachtet werden muss. Jugendliche brauchen Freiräume für ihre eigenen Ideen. Sie brauchen gleichzeitig eine Anlaufstelle, um Gleichgesinnte für ihre Ideen zu finden. Sie sind stark in der Gemeinschaft und können gemeinsam mit Freunden wichtige Erfahrungen machen, die ihnen helfen, im Ablösungsprozess von Zuhause. Diese Freiräume und die Begegnungsmöglichkeit bzw. Gruppenfindung will das Familienzentrum ermöglichen.

4.3. Für Mütter

Mütter wünschen sich oft einen Ort, an dem sie sich mit ihren Kindern aufhalten können, ohne dass ihre Kinder stören. Eine Spielecke oder sogar parallele Kinderbetreuung während eines Gruppen- oder Kursangebots kann Mütter unterstützen und entlasten. Mütter (und natürlich Hausväter) sind Managerinnen mit Höchstleistung und das ehrenamtlich. Sie haben selten Gelegenheit, etwas nur für sich zu tun. Das Familienzentrum und der Verein »Haus der Familie« möchte Müttern auch helfen, indem es z.B. durch Kinderbetreuung den Wiedereinstieg in den Beruf erleichtert. Es möchte außerdem Freiräume schaffen für die Frau und den Mann als Partner, z.B. durch einen spontanen Babysitterdienst. Bei Alleinerziehenden besteht gegenüber solchen entlastenden Diensten erhöhter Bedarf.

4.4. Für Väter

Väter sind in der Regel weniger zu Hause und weniger mit der Erziehungsaufgabe betraut, als die Frauen. Sie wünschen sich manchmal ein entspannteres Familienleben, das durch Unterstützung von Außen erreicht werden kann. Auch sie haben einen Sekundärgewinn, wenn die Frauen im Familienzentrum Entlastung für sich finden.
Die Väter selbst haben Gelegenheit, im Familienzentrum Geselligkeit zu erleben und Kontakte zu knüpfen. Freizeitangebote können sie schaffen, wenn sie selbst engagiert für ein Angebot eintreten. Sie können solche Angebote nutzen, die von anderen organisiert werden. Sie können durch Erfahrungsaustausch voneinander lernen und sich in der Gruppe mit ihren Kindern einmal anders erleben.

4.5. Für Senioren

Senioren machen mit zunehmendem Alter häufiger die Erfahrung, dass Kontakte seltener werden oder abbrechen. Für sie gibt es in Rondorf wenige Orte, die sie aufsuchen können, um sich auszutauschen und neue Bekanntschaften zu machen. Senioren fühlen sich oft nicht ernst genommen und möchten wieder mehr Anteil nehmen am gesellschaftlichen Leben. Der Verein »Haus der Familie« freut sich über Senioren, die diese Begegnungsstätte nutzen und somit die Integration von Jung und Alt in Rondorf fördern.

4.6. Für Rondorfer Bürger

Rondorfer Bürger haben bislang keinen Ort gefunden, an dem sie sich als Bürger treffen und engagieren können. Sie können im Familienzentrum aktiv werden, können ihre Freizeit mit anderen gemeinsam gestalten, ohne dafür erst in die Stadt fahren zu müssen. Sie können sich in Rondorf auch außerhalb ihres Zuhauses wohlfühlen, können entspannen oder auch aktiv werden. Sie finden eine kulturelle und soziale Angebotsstruktur, die sie mitbestimmen und gestalten können.
Der Verein »Haus der Familie« zielt auf Selbsthilfe und Selbstorganisation. Dadurch wird die Rondorfer Gemeinschaft gestärkt und befähigt, ihre Lebenswelt eigenverantwortlich positiv zu verändern.


Gründungssitzung des Vereines »Haus der Familie« am 16. Januar 2002

5. Der gesetzliche Rahmen

Die rechtliche Seite der Arbeit im »Haus der Familie« gründet sich auf drei gesetzliche Ebenen:
a) auf das Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG)
b) auf das Weiterbildungsgesetz in NRW (WbG-NRW)
c) auf die Verfassung des Landes NRW

Zu a)
Das Kinder und Jugendhilfegesetz stellt die Prävention als eine wichtige Aufgabe in den Vordergrund. Im Hinblick auf das schnelle Bevölkerungswachstum in Rondorf und das vernachlässigte soziale Umfeld der Kinder und Jugendlichen ist Prävention auch eines der wichtigsten Prinzipien des Vereins.
Die entsprechenden Paragraphen lauten:
§ 1 KJHG Recht auf Erziehung, Elternverantwortung, Jugendhilfe
(1) Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit.
(2) (...)
(3) Jugendhilfe soll zur Verwirklichung des Rechts nach Absatz 1 insbesondere
1. junge Menschen in ihrer individuellen und sozialen Entwicklung fördern und dazu beitragen, Benachteiligungen zu vermeiden oder abzubauen,
2. Eltern und andere Erziehungsberechtigte bei der Erziehung beraten und unterstützen,
3. (...)
4. dazu beitragen, positive Lebensbedingungen für junge Menschen und ihre Familie sowie eine kinder- und familienfreundliche Umwelt zu erhalten oder zu schaffen.

§ 16 KJHG Allgemeine Förderung der Erziehung in der Familie
1 Müttern, Vätern, anderen Erziehungsberechtigten und jungen Menschen sollen Leistungen der allgemeinen Förderung der Erziehung in der Familie angeboten werden. Sie sollen dazu beitragen, dass Mütter, Väter und andere Erziehungsberechtigte ihre Erziehungsverantwortung besser wahrnehmen können.
2 Leistungen zur Förderung der Erziehung in der Familie sind insbesondere
3 Angebote der Familienbildung, die auf Bedürfnisse und Interessen sowie auf Erfahrungen von Familien in unterschiedlichen Lebenslagen und Erziehungssituationen eingehen, die Familie zur Mitarbeit in Erziehungseinrichtungen und in Formen der Selbst- und Nachbarschaftshilfe besser befähigen sowie junge Menschen auf Ehe, Partnerschaft und das Zusammenleben mit Kindern vorbereiten.
4 Angebote der Beratung in allgemeinen Fragen der Erziehung und Entwicklung junger Menschen,
5 Angebote der Familienfreizeit und der Familienerholung...

§ 25 KJHG Unterstützung selbstorganisierter Förderung von Kindern
Mütter, Väter und andere Erziehungsberechtigte, die die Förderung von
Kindern selbst organisieren wollen, sollen beraten und unterstützt werden.
§ 80 KJHG Jugendhilfeplanung
(1) Einrichtungen und Dienste sollen so geplant werden, dass insbesondere
1. Kontakte in der Familie und im sozialen Umfeld erhalten und gepflegt werden können,
2. ein möglichst wirksames, vielfältiges und aufeinander abgestimmtes Angebot von Jugendhilfeleistungen gewährleistet ist,
3. ...
4. Mütter und Väter Aufgaben in der Familie und Erwerbstätigkeit besser miteinander vereinbaren können.

Zu b)
Das Weiterbildungsgesetz NRW gewährleistet allen Erwachsenen das Recht auf Weiterbildung. Die im KJHG angesprochene Eltern- und Familienbildung (insbesondere § 16 Abs. 3 und § 25) wird durch das Weiterbildungsgesetz für das Land NRW näher geregelt.

§ 1 WbG (1) Jede und Jeder hat das Recht, die zur freien Entfaltung der Persönlichkeit und zur freien Wahl des Berufs erforderlichen Kenntnisse und Qualifikationen zu erwerben und zu vertiefen.
§ 3 WbG (1) Das Bildungsangebot der Einrichtungen der Weiterbildung umfasst
Inhalte, die die Entfaltung der Persönlichkeit fördern, die Fähigkeit zur Mitgestaltung des demokratischen Gemeinwesens stärken und die Anforderungen der Arbeitswelt bewältigen helfen. Es umfasst die Bereiche der allgemeinen, politischen, beruflichen und kulturellen Weiterbildung und schließt den Erwerb von Schulabschlüssen und Eltern- und Familienbildung ein.
Zu c)
Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen hat am 29.01.2002 ein Gesetz erlassen zur Änderung der Verfassung für das Land NRW; es geht dabei um die Aufnahme von Kinderrechten.
Artikel 6 (1) Jedes Kind hat ein Recht auf Achtung seiner Würde als eigenständige Persönlichkeit und auf besonderen Schutz von Staat und Gesellschaft.
(2) Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Entwicklung und Entfaltung ihrer Persönlichkeit, auf gewaltfreie Erziehung und den Schutz vor Gewalt, Vernachlässigung und Ausbeutung. Staat und Gesellschaft schützen sie vor Gefahren für ihr körperliches, geistiges und seelisches Wohl. Sie achten und sichern ihre Rechte, tragen für altersgerechte Lebensbedingungen Sorge und fördern sie nach ihren Anlagen und Fähigkeiten.
Artikel 6 ist die Antwort auf eine starke Lobbyarbeit für Kinder und Jugendliche. Dieser Artikel ist auch das Ergebnis einer langen Auseinandersetzung mit der UN-Kinderrechtskonvention. Die Konvention sieht Kinder als Subjekte mit eigenen Menschenrechten und gesteht jedem Kind die Fähigkeit zu, diese auch auszuüben.
Das Familienzentrum heißt Kinder und Jugendliche willkommen, die sich für ihre Rechte stark machen wollen. Es macht sich außerdem zur Aufgabe, die Kinderrechte zu verstehen und im Familienzentrum zu wahren.
In der Präambel der UN-Kinderrechtskonvention wird über den Geist gesprochen, in dem Erziehung stattfinden soll. Es werden genannt:
Der Geist des Friedens, der Würde, der Toleranz, der Freiheit, der Gleichheit und der Solidarität.
In diesem Geist wächst und gedeiht ein Familienzentrum für alle Bürgerinnen und Bürger, nicht nur für Kinder und Jugendliche.